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Gewerbeanlass zum Thema Vorsorge

 

Am 7. Februar 2019 lud der Gewerbeverein Gossau seine Mitglieder zum jährlichen Raclette-Plausch ins Schützenstübli in Gossau ein. Wie immer wurde den Teilnehmenden ein interessantes Referat geboten. Dieses Mal zum Thema Urteilsunfähigkeit und Vorsorge.

 

von Barbara Tudor

 

Auch in diesem Jahr sind viele Mitglieder der Einladung des Gewerbevereins Gossau gefolgt und haben sich pünktlich im Schützenhaus eingefunden, um das angekündigte Referat zum Thema Vorsorgeauftrag zu hören und in geselliger Runde ein feines Raclette zu geniessen.

Urteilsunfähig - und dann?
Die Gewerbevereinspräsidentin, Silvia Berger, begrüsst den Gast des Abends: René Bätschmann, Geschäftsführer der Firma VoBox AG. Das Unternehmen mit Sitz in Bäch SZ hat sich auf die Themen Vorsorge, Patientenverfügung und Aufbewahrung wichtiger Dokumente spezialisiert. Ohne grosse Umschweife kommt er direkt auf den Punkt und fragt in die Runde: «Sie werden urteilsunfähig. Was passiert dann?» Schnell wird klar, dass sich nur wenige der Anwesenden mit diesem Thema auseinandergesetzt und entsprechend vorgesorgt haben. Das erstaunt den gewieften Referenten, der regelmässig Vorträge wie diesen hält, nicht. Denn nicht mal 10 Prozent der erwachsenen und mündigen Schweizerinnen und Schweizer hätten seit der Einführung des Erwachsenenschutzgesetzes im 2013 vorgesorgt und einen Vorsorgeauftrag erstellt. Wie wichtig diese Vorsorge ist, macht René Bätschmann mit verschiedenen Beispielen aus der Praxis deutlich: Ein Freund mit einem erfolgreichen KMU-Betrieb etwa verletzte sich bei einem Unfall in den Bergen, fiel ins Koma und wurde handlungsunfähig. Da kein Vorsorgeauftrag vorhanden war, der unter anderem Vertretungsrechte definiert, waren seiner Frau die Hände gebunden. Die Konten wurden gesperrt, die Löhne der Mitarbeitenden konnten nicht mehr bezahlt werden, das Geschäft ging zu Grunde. Als sein Freund ein paar Monate später aus dem Koma erwachte und wieder urteilsfähig war, standen er und seine Familie vor dem Nichts.

 

«Mit dem Vorsorgeauftrag und der Patientenverfügung entlasten Sie vor allem auch Ihre Familie.»
René Bätschmann, Geschäftsführer der VoBox AG


 

Vorsorgen, um sich keine Sorgen machen zu müssen
Das im 2013 in Kraft getretene Erwachsenenschutzrecht habe viele Vorteile und biete Verbesserungen für die Menschen, so Bätschmann. Allerdings sei es wichtig, Vorkehrungen im Falle einer Urteilsunfähigkeit zu treffen, um selbstbestimmt leben zu können. Dabei gehe es nicht nur um einen selbst, sondern man nehme vor allem auch den Angehörigen eine grosse Last ab. Denn im Falle einer Urteilsunfähigkeit seien die Angehörigen schon so emotional belastet. Wenn sie sich dann noch mit Behörden und rechtlichen Fragen herumschlagen müssen, sind sie oft überfordert. Darum rädt der erfahrene Finanzmann und Vater von zwei erwachsenen Söhnen, das Thema aktiv anzupacken und das Gespräch mit der Familie zu suchen.

Zwei zentrale Dokumente: Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung
Es gibt zwei Dokumente, mit denen man gezielt vorsorgen und das Wichtigste regeln kann: der Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung. Im Vorsorgeauftrag wird vor allem definiert, wer im Falle einer Urteilsunfähigkeit das Vertretungsrecht übernehmen darf, also zum Beispiel Rechnungen und die Miete bezahlen, die Vermögensverwaltung und das Erledigen der Post. Was selbstverständlich klingt, ist es nicht: Wird keine Rechtsvertretung definiert, zum Beispiel der Ehepartner, die erwachsenen Kinder oder Vertraute aus dem Freundeskreis, wird automatisch die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde, KESB, als Rechtsvertretung eingesetzt. Diese kann dann zum Beispiel frei darüber bestimmen, in welches Pflegeheim eine Person kommt, ob die Wohnung verkauft werden oder das Geschäft liquidiert werden soll.

Das zweite Dokument ist die Patientenverfügung, zu der René Bätschmann ebenfalls eindringlich rädt. Dieses Dokument regelt die medizinische Vorsorge, zum Beispiel, wie man in bestimmten Notfallsituationen behandelt werden möchte bzw. was man auf gar keinen Fall will. René Bätschmann empfiehlt, die Patientenverfügung alle drei bis fünf Jahre zu überprüfen und zu erneuern. So sei gewährleistet, dass sie immer auf die aktuelle Lebenssituation angepasst ist. Damit könnten auch belastende Diskussionen zwischen dem medizinischen Personal und den Angehörigen vermieden werden.

Generalvollmacht als sinnvolle Überbrückung
Nebst dem Vorsorgeauftrag und der Patientenverfügung rädt René Bätschmann zu einem dritten wesentlichen Dokument: der Generalvollmacht. In dieser kann definiert werden, wer die Rechtsgeschäfte weiterführen darf. Denn bis die Regelungen im Vorsorgeauftrag greifen, können mehrere Wochen oder gar Monate vergehen. Während dieser Zeit dürfe die darin bestimmte Vertretung noch gar nicht tätig werden. Mit der Generalvollmacht hingegen schaffe man eine gute Überbrückung, bis der Vorsorgeauftrag greife.

 

Silvia Berger, Präsidentin des Gewerbevereins Gossau, bedankt sich bei René Bätschmann mit einer süssen Spezialität aus Gossau.
Silvia Berger, Präsidentin des Gewerbevereins Gossau, bedankt sich bei René Bätschmann mit einer süssen Spezialität aus Gossau.

Gemütlicher Raclette-Abend mit Diskussionsstoff

Im Anschluss an das Referat gab's für die Anwesenden ein feines Raclette und viel Gesprächsstoff über das soeben Gehörte. So mancher will das Thema jetzt aktiv angehen...